Warum du kein Budget hast

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Teil 1 der Blogserie: Ein Haushaltsbudget erstellen - Schritt für Schritt

....und was dich das jeden Monat wirklich kostet

Du sitzt am Küchentisch, das Wochenende liegt vor dir und deine Tochter kommt ins Zimmer gestürmt. „Mama, können wir in den Europapark?“ Dein Herz sagt sofort Ja. Natürlich für deine kleine Maus machst du das gerne. Was gibt es Schöneres als so einen Tag Achterbahn, Piratenschiff, Zuckerwatte, strahlende Kinderaugen, vielleicht sogar eine Übernachtung im Themenhotel.

Du überlegst kurz. Zwei Übernachtungen, Eintritt, Essen, das Plüschtier, das am Ende des Tages sowieso gekauft wird. Da sind wir locker bei 750 – 880 Euro. Und irgendwo liegt auch noch ein Gutschein herum. Du denkst: „Eigentlich sollte das gehen.“ Schliesslich war der letzte Monat weniger teuer. Du buchst und fährst hin. Ihr zwei macht euch einen wunderschönen Tag.

Und zwei Wochen später merkst du: Diesen Monat wird es doch irgendwie knapp. Du weisst nicht genau, woran es liegt. Und doch kommt in dir dieser Gedanke hoch, dass es wahrscheinlich am Ausflug liegt, den du anfangs Monat spontan gebucht hattest.

Kennst du das Gefühl? Ich bekam früher Bauchschmerzen davon und ein schlechtes Gewissen obendrauf. Kein Haushaltsbudget und keinen Plan. Und am Ende des Monats wieder dieses ungute Rauschen im Bauch.

Das Problem heisst nicht zu wenig Geld

Es ist zu verlockend, solche Momente auf das Einkommen zu schieben. „Wenn wir erst mehr verdienen, wird das alles einfacher.“ Leider ist das ein weitverbreiteter Trugschluss. Steigt dein Gehalt, füllt sich selten dauerhaft dein Konto. Die meisten Menschen erhöhen gleichzeitig den Lebensstandard. Hier ein zusätzliches Abendessen auswärts, mehr Ausflüge, einen Urlaub mehr pro Jahr und öfters neue Kleidung. Du siehst, der enge Monat bleibt, er sieht nur etwas teurer aus.

Das eigentliche Problem ist ein anderes: du hast kein klares Bild davon, wohin dein Geld wirklich hingeht.

Was dir fehlt, ist eine klare Ordnung. Quasi Vollgas auf gerader Strecke. Das geht so lange gut, bis eine Kurve kommt, die du nicht kommen sahst.

Ein Haushaltsbudget ist kein Armutsinstrument und es ist auch nicht ein Werkzeug nur für Menschen, die kaufsüchtig sind. Es ist ein Steuerrad. Wen du ohne Steuerrad fährst, landest du zwar immer irgendwo, jedoch selten dort, wo du eigentlich hinwolltest.

Warum so viele kein Haushaltsbudget erstellen: die ehrlichen Gründe

Das ist der unbequeme Teil. Ich sage ihn trotzdem, weil ich ihn aus meiner Vergangenheit nur zu gut kenne. Von mir selbst, aus Gesprächen, aus Schuldenberatungen, und weil Ehrlichkeit der erste Schritt zu echter Veränderung ist.

„Ich weiss ungefähr, was reinkommt und rausgeht.“ Ungefähr ist das Gegenteil von sicher und wissen. Ungefähr bedeutet, dass du auf dein Bauchgefühl vertraust. Dein Bauchgefühl kennt aber keine Jahresmitgliedschaften, keine Autoreparaturen, keine Steuerrechnungen und keine spontanen Europapark-Wochenenden im September. Dein Bauchgefühl optimiert für heute. Ein Budget denkt voraus.

„Ein Budget schränkt mich ein“. Wirklich? Oder ist es doch nicht eher Angst vor den nackten Zahlen? Oder weil das Thema Geld mit Emotionen aufgeladen ist? Dieser Gedanke ist weit verbreitet und er ist das Gegenteil der Realität. Ein Haushaltsbudget gibt dir keine Grenzen. Es gibt dir Klarheit und Freiheit. Wenn du weisst, dass im September ein Familienausflug geplant ist, kannst du den notwendigen Betrag bereits vorher einplanen. So kann der Ausflug in den Europapark zu einem Vergnügen werden, ohne dass du zwei Wochen später ein schlechtes Gewissen hast.

Ohne Budget entscheidest du nicht wirklich. Du reagierst nur. Oder weniger nett ausgedrückt: du löschst die Feuer, die du selbst gelegt hast.

„Ich fange nächsten Monat an.“ Der nächste Monat kommt bestimmt. Und glaube mir, wenn ich dir sage, damit auch die nächste Gelegenheit, die nächste Überraschung, die nächste Ausgabe. Und dann kommt der 28. und du fragst dich wieder, wo die Hälfte des Gehalts geblieben ist.

Der perfekte Zeitpunkt existiert nicht. Er ist jetzt; alles andere nennst sich Prokrastination.

„Das ist mir zu kompliziert.“ Ein Haushaltsbudget muss keine Excel- Monster-Tabelle sein. Du brauchst keine Buchhaltungsausbildung, keine App mit Premium-Abo und auch kein Wochenendseminar. Es braucht für den Anfang drei Kategorien, eine Stunde pro Woche und ein bisschen Ehrlichkeit mit dir selbst. Das ist alles. Der Rest ist Gewohnheit.

„Mir ist das zu stressig. Kinder, Teilzeitarbeit, vollgepackter Alltag“ Ja, ja, ja…genau deshalb. Haushalte mit Kindern, mit Teilzeitarbeitsmodellen, mit schwankenden Einkommen: Also genau die Haushalte brauchen ein Budget am dringendsten. Und die wenigsten dieser Haushalte haben eins. Weil das auch noch so perfekt sein muss? Nein, du willst endlich Struktur und Ruhe im Bau. Willst du flexibel agieren können, darfst du nicht den Überblick verlieren. Ohne Budget geschieht genau das.

Was es wirklich kostet, deine Finanzen nicht zu ordnen

Nicht budgetieren ist keine neutrale Entscheidung. Es ist eine der teuersten überhaupt.

Wenn du nicht weisst, wohin dein Geld jeden Monat hingeht, wird jede Sparübung zur Lotterie. Mal sparst du, mal wieder nicht. Und somit baust du dir keinen Puffer auf. Und wenn du keinen Puffer hast, endet die nächste hohe Rechnung in einem mehr oder weniger heftigen Stressanfall. Aus Stress entstehen schlechte Entscheidungen: der Ratenkredit für das Sofa, das auch hätte warten können. Die Kreditkarte, die ausnahmsweise nur diesen Monat überzogen wird. Das Thema Altersvorsorge schiebst du dann logischerweise aufs nächste Jahr.

Das Paradoxe daran: Du merkst es oft nicht einmal. Weil jeden Monat irgendetwas dazwischenkommt. Eine unerwartete Autoreparatur, die Zahnspange für den Nachwuchs, der Abschlussball deines Patenkindes. Das Leben halt.

Aber „das Leben halt“ ist kein Finanzplan.

Der Preis des Nicht-Budgetierens zeigt sich selten als grosse Katastrophe. Er zeigt sich als dauerhaftes Grundrauschen in deinem Nervensystem. Als das Gefühl, nie wirklich vorwärtszukommen. Nie wirklich zu wissen, wieviel noch da ist. Und bitter wird es, wenn du siehst, dass deine Kolleginnen mit dem Geld sparen an dir vorbeiziehen.

Das unsichtbare Geldleck

Stell dir vor, du hast einen kleinen Riss in deiner wunderschönen Badeschale für Vögel auf deiner Terrasse. Jeden Tag verliert sie etwas Wasser. Und weil du es lange nicht merkst, fragst du dich Wochen später, warum diese Badeschale immer wieder so schnell leer ist.

Genau das passiert in Haushalten ohne Budget.

Die Lecks heissen: monatliches Streaming-Abo, das niemand mehr nutzt. Das Zeitschriften-Abo von damals. Die Versicherung, die doppelt besteht. Der Supermarktumweg, der irgendwie immer 40 Euro kostet. Die Kleinbeträge, die nie im Gedächtnis bleiben, aber zusammen einen veritablen Abfluss bilden.

Kein Mensch entscheidet sich bewusst für diese Lecks. Sie entstehen einfach. Und ohne Budget bleiben sie unsichtbar.

Was jetzt?

Du musst nicht perfekt sein und auch nicht alles auf einmal ändern. Und du musst auch keine Finanzexpertin werden.

Was du tun kannst, ist aufhören zu warten.

In den nächsten Artikeln dieser kleinen Serie zeige ich dir Schritt für Schritt, wie ein realistisches Haushaltsbudget für deinen Alltag aussieht, eines, das zu deiner Lebenssituation passt. Sei das mit Kindern, mit Teilzeit, mit dem Europapark im Sommer und dem Weihnachtsmarkt im Dezember. Eines, dass dir das Gefühl gibt endlich Kontrolle über deine Finanzen zu haben.

Wir beginnen mit dem häufigsten Budgetfehler, dem, den fast alle machen, ohne es zu merken.

Aber zuerst eine ehrliche Frage an dich:

Weisst du gerade aus dem Gedächtnis, wie viel Geld am Ende dieses Monats noch auf deinem Konto sein wird? Und wohin der Rest hingeflossen ist?

Wenn nicht, dann bist du genau richtig hier. Und du bist damit nicht allein.

Dies ist Teil 1 der Blogserie „Haushaltsbudget erstellen – Schritt für Schritt". Weiter geht es mit: Teil 2: Der häufigste Budgetfehler und wie du ihn vermeidest.

Niemand liebt Chaos in seinen Finanzen. Willst du einen klaren Finanzaufbau haben und den Überblick über dein Geld behalten, bist du hier richtig.

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