Ich brauchte Kerzen. Wirklich nur Kerzen. Mein Ehrenwort.
Mit diesem absoluten Versprechen an mich, betrat ich den Laden.
Zwei Stunden später stand ich an der Kasse von IKEA - mit Kerzen. Ausserdem mit Kissen (die wirklich perfekt für mein Sofa sind), Fellen (für Winterabende draussen brauche ich schliesslich Wärme) und neuen Salatschalen (weil die alten ja irgendwie nicht mehr so schön waren). Meine Stimmung an der Kasse: im Hochgefühl. Karte durchziehen, Punkte sammeln und dann…
…kam der Klassiker. Der Schwedenshop. 😊
Wenn du jetzt schmunzelst, bist du nicht allein. Ich war genau diese Frau. Und manchmal bin ich es auch heute noch. Einfach dosierter und nicht mehr impulsiv.
Du bist intelligent, reflektiert, hast gute Vorsätze und trotzdem bist du jedes Mal überrascht, wie viel Geld am Ende eines „harmlosen” IKEA-Nachmittags wieder weg ist.
Das ist kein Zufall. Hinter dem IKEA-Konzept steht ein knallhartes Marketing-System, eine perfekt durchdachte Einkaufsumgebung von A bis Z. Wie ein Erlebnisbad, einfach ohne Wasser. Und dazu noch Köttbullar mit Fritten.
Du wirst mit Pfeilen auf dem Boden durch das Einkaufslabyrinth geführt. Nicht nur räumlich, sondern vor allem emotional. Die Preise wirken auf den ersten Blick niedrig. Die Produkte: lösungsorientiert und praktisch. Alles fühlt sich nach „sich etwas gönnen“ an. Nach dem Motto: Ich arbeite viel, ich darf mir das jetzt leisten.
Herzliche Gratulation an deinen Dopaminspiegel. Der leistet ganze Arbeit.
Und genau hier liegt der Haken. Denn die meisten Käufe, die du dort tätigst, sind keine bewussten Entscheidungen. Es sind unbewusste Mini-Ja’s.
Ein Ja zum Kissen
Ein Ja zu den Kerzen, denn nächste Weihnachten kommt bestimmt
Ein Ja zu den Servietten, die so hübsch sind und perfekt zum nächsten Familientreffen passen
Ein Ja zum neuen Tupperware-Geschirr, obwohl das zu Hause noch top in Schuss wäre
Nichts davon tut dir im Einzelnen weh. Aber alles zusammen? Da kommt rasch ein stattlicher Betrag zusammen. Und danach ein unangenehmes Gefühl. Also, schnell wegdrücken, weiter geht’s.
Genau dieses Muster habe ich auch in meinem Artikel über die Kreditkartenabrechnung beschrieben: Viele kleine Entscheidungen, die sich im Alltag harmlos anfühlen. Am Ende des Monats für Überraschungen sorgen.
Du hast bezahlt. Eigentlich ist alles erledigt. Die Betonung liegt auf „eigentlich“.
Denn was lacht dich nach der Kasse an? Ja genau: unser heiss geliebter Schwedenshop.
Zumindest aus meiner Sicht. Plötzlich bist du wieder im Kaufen-Modus. Nur diesmal mit Feinkost, kleinen Gläsern und Spezialitäten, die du nur hier bekommst. Alles wirkt überschaubar. Es wirkt fast nebensächlich. Doch genau hier passiert es: Du gibst ein zweites Mal Geld aus, ohne es mental eingeplant zu haben.
Brauchte ich jetzt wirklich diese Blaubeerkonfitüre und die Sauce zum geräucherten Lachs?
Und während ich später die Kerzen anzündete, schlich sich nicht selten ein leiser Gedanke ein: Warum habe ich schon wieder mehr ausgegeben als geplant?
Nicht jeder Besuch entsteht aus einem echten Bedarf. Es sind Pausen von deinem anstrengenden Alltag. Du belohnst dich. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden.
Das Problem ist nicht IKEA an sich. Das Problem entsteht, wenn diese Ausflüge deine Spar- und Investmentziele still und leiste sabotieren, und du es dir selbst nicht eingestehst. Denn Geld, das in Kerzen, Kissen und Gläser fliesst, kann nicht gleichzeitig dein Vermögen aufbauen.
Du bist nicht verkehrt und auch nicht zu wenig konsequent. Du stehst ja nicht jeden Tag in der IKEA. Du bist einfach menschlich. Gleichzeitig liegt hier dein Schlüssel: In dir und nicht im Aussen. Du entscheidest dich bewusst dafür.
Ich höre deinen inneren Widerstand. Vielleicht denkst du gerade: „Ich soll mir jetzt ernsthaft überlegen, ob ich mir eine Kerze kaufen darf?“
Nein. Darum geht es nicht. Es geht darum, dass die Summe deiner unbewussten Käufe deine finanzielle Freiheit kosten kann. Und das ist ein Unterschied.
Ich hatte angefangen, mir vor jedem Besuch vier Fragen zu stellen:
Warum will ich heute zu IKEA? Brauche ich wirklich etwas oder ist es einfach ein Zeitvertrieb?
Wenn ich dieses Geld ganz oder zu einem gewissen Teil zurücklegen würde: Was könnte es mir in ein paar Jahren ermöglichen?
Will ich mich nach dem Kauf ruhig fühlen? Oder nur kurz besser?
Was steht auf meiner Einkaufsliste, und was nicht?
1. Vorab entscheiden: Ich fragte mich im Vorfeld, ob ich wirklich etwas brauchte. Die
Versuchung im Laden, noch dies oder das gleich mitzukaufen, fällt dann weg.
2. Konkrete Einkaufsliste: Mit maximal einer spontane Sache. Und da war der
Schwedenshop bereits miteinberechnet.
3. Eine Nacht drüber schlafen: Sah ich etwas Schönes, kaufte ich es erst, wenn ich
am nächsten Tag immer noch intensiv daran dachte. Sonst nicht.
4. Budget setzen Besonders wenn ich mit einer Freundin ging.
5. Zuerst auf das Rücklagenkonto überweisen, dann losgehen Das verändert die
innere Haltung nachhaltig.
Ich will nicht, dass du auf alles verzichtest. Tue ich ja auch nicht. Und ja, die Felle wärmen wirklich super. Und die Kerzen duften himmlisch.
Doch frage dich vor solchen Shoppingnachmittagen immer zuerst: Warum willst du das jetzt?
Für Kerzen.
Oder doch für eine geordnete Zukunft deines Geldes.
Niemand liebt Chaos in seinen Finanzen. Willst du einen klaren Finanzaufbau haben und den Überblick über dein Geld behalten, bist du hier richtig.
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